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Preisgestaltung für gebrauchte Waren

Gebrauchte Waren haben keinen Listenpreis. Wie findet man Preise, die fair für Kunden, kostendeckend für den Betrieb und konsistent für das Team sind? Strategien für IT, Kleidung, Möbel und Fahrräder.

Das Dilemma der Preisgestaltung

Bei Neuware ist der Preis einfach: Einkaufspreis + Marge = Verkaufspreis. Bei Gebrauchtware gibt es keinen Einkaufspreis — oder er ist null (Spende). Dafür gibt es eine Kostenbasis: Reparatur, Reinigung, Bewertungsaufwand. Und es gibt einen Marktpreis — aber keinen fixen, sondern eine Bandbreite.

Viele Betriebe lösen das mit Bauchgefühl. Das führt zu Inkonsistenzen: Der gleiche Laptop kostet CHF 180 oder CHF 240 je nachdem, wer ihn bewertet hat. Kunden bemerken das — und es untergräbt das Vertrauen.

Methoden der Preisfindung

Marktpreis-Abschlag

Recherchieren Sie Vergleichspreise auf Ricardo, Tutti oder eBay. Setzen Sie Ihren Preis 10–20% darunter als Wettbewerbsvorteil.

  • Stärke: Marktgerecht, rechtfertigbar
  • Schwäche: Aufwändig ohne Automatisierung; Markt schwankt
  • Geeignet für: IT-Geräte, Velos — überall wo Ricardo-Preise existieren

Neupreis-Abschlag nach Zustand

Recherchieren Sie den aktuellen Neupreis. Gut = 60–70%, Mittel = 40–55%, Schlecht = 20–35%.

  • Stärke: Einfach kommunizierbar («60% des Neupreises»)
  • Schwäche: Funktioniert nicht bei Waren ohne klaren Neupreis (Vintage, Antiquitäten)
  • Geeignet für: Markenware, aktuelle Elektronik

Kostenbasis + Marge

Reparaturkosten + Bewertungsaufwand (pauschal CHF 5–15 pro Stück) + Zielrendite (z.B. 40%). Gilt auch bei Gratisware.

  • Stärke: Kostendeckend, unabhängig vom Markt
  • Schwäche: Kann über Marktpreis liegen; braucht konsequente Zeiterfassung
  • Geeignet für: Reparierte Artikel, Nischenware

Kategoriebasierte Richtpreise

Definieren Sie intern Preisbänder pro Kategorie und Zustand: z.B. Laptop Gut: CHF 150–300, Mittel: CHF 80–150. Verkaufsperson entscheidet im Band.

  • Stärke: Schnell, konsistent, kein Rechercheaufwand
  • Schwäche: Muss regelmässig aktualisiert werden (Markt verändert sich)
  • Geeignet für: Hochvolumenbetriebe, Kleidung, Möbel

Reparaturkosten einkalkulieren

Reparaturkosten sind die unsichtbare Kostenbasis bei gespendeten Waren. Ein Laptop, der kostenlos gespendet wurde, aber CHF 60 Reparaturkosten hatte (Akku + Reinigung), hat eine Kostenbasis von CHF 60 — nicht null.

Empfehlung: Erfassen Sie Reparaturkosten pro Artikel konsequent. Setzen Sie eine Mindestmarge (z.B. 30% über Kostenbasis). Der Richtpreis kann höher liegen — der Mindestpreis nicht unterschreiten.

Kostenbasis: CHF 60 (Reparatur + Materialien)
Mindestpreis: CHF 60 × 1.30 = CHF 78
Richtpreis: CHF 140 (Markt: Gut-Laptop dieser Klasse ~CHF 160)

Ergebnis: CHF 78–160, abhängig von Zustand und Nachfrage

Sozialrabatte: Wann und wie?

Viele Kreislaufbetriebe bieten Rabatte für einkommensschwache Kunden an. Das ist eine Stärke — aber es braucht klare Regeln, damit es keine Willkür wird.

  • Klare Berechtigung: Wer bekommt den Rabatt? AHV-Ausweis, Sozialhilfe-Bestätigung, Lernendenstatus? Schreiben Sie es auf.
  • Fixer Rabattsatz: Z.B. 20% auf alle Artikel. Kein Verhandeln — das kostet Zeit und schafft Ungleichheit.
  • Mindestpreis respektieren: Sozialrabatt darf nicht unter die Kostenbasis führen. Der Mindestpreis gilt auch für rabattierte Verkäufe.
  • Dokumentation: Halten Sie den Rabattgrund im Verkaufsbeleg fest — für interne Auswertungen und Förderberichte.

Mit Kivvi Preise verwalten

In Kivvi hinterlegen Sie pro Artikel einen Richtpreis und optional einen Mindestpreis. Die Verkaufsperson sieht beides beim Erstellen eines Belegs und kann den Preis innerhalb des Rahmens anpassen.

Über Preislisten können Sie Sozialrabatte oder Kundengruppen-Rabatte systemweit definieren. Statt jedem Artikel einen manuellen Rabatt zu geben, weisen Sie dem Kunden einfach die entsprechende Preisliste zu — und Kivvi rechnet automatisch korrekt.

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