Die Kreislaufwirtschaft
Wer sind die Betriebe, die Waren ein zweites Leben geben? Welche Geschäftsmodelle gibt es? Und warum brauchen sie andere Software als alle anderen?
Was ist Kreislaufwirtschaft?
Die Linearwirtschaft folgt einem einfachen Muster: Herstellen → Kaufen → Wegwerfen. Die Kreislaufwirtschaft bricht dieses Muster. Güter werden repariert, wiederaufbereitet, weiterverkauft, umgewandelt oder geteilt — statt auf der Deponie zu landen.
In der Schweiz gibt es Hunderte von Betrieben, die das täglich praktizieren: Brockenhäuser, IT-Refurbisher, Repair Cafés, Kleiderbörsen, Veloläden. Viele sind soziale Unternehmen. Viele arbeiten mit Freiwilligen. Fast alle kämpfen mit der gleichen Herausforderung: Ihre Software wurde nie für sie gebaut.
Kivvi wurde für sie gebaut.
Wer ist dabei?
Die Kreislaufwirtschaft ist breiter, als man denkt. Hier sind die Hauptakteure:
IT-Refurbisher
Mehr →Sammeln ausgemusterte Elektronik von Unternehmen, testen, reparieren und verkaufen sie weiter. Oft auch mit Datenlöschzertifikaten und Businesskunden.
Typische Waren: Laptops, Desktops, Server, Tablets, Smartphones
Brockenhäuser & Sozialkaufhäuser
Mehr →Nehmen gespendete Güter an und verkaufen sie günstig weiter — oft mit sozialem Auftrag (Integration, Beschäftigung, günstige Versorgung einkommensschwacher Haushalte).
Typische Waren: Möbel, Haushaltsgeräte, Kleidung, Bücher, Spielzeug
Repair Cafés & Werkstätten
Mehr →Reparieren defekte Gegenstände — oft mit Freiwilligen, manchmal professionell. Ziel: Reparatur statt Neukauf verankern.
Typische Waren: Elektrogeräte, Fahrräder, Kleidung, Möbel, Spielzeug
Vintage & Second-Hand-Shops
Mehr →Spezialisiert auf bestimmte Warenkategorien mit Wiederverkaufswert. Qualität und Kuratierung sind das Produkt.
Typische Waren: Kleidung, Schmuck, Uhren, Möbel, Vinyl, Sammlerstücke
Fahrrad-Refurbisher
Nehmen alte oder defekte Fahrräder an, reparieren und restaurieren sie. Wachsender Markt durch E-Bike-Boom und Urban Mobility.
Typische Waren: City-Bikes, E-Bikes, Rennräder, Kindervelos
Upcycling-Ateliers
Verarbeiten Materialien und Gegenstände zu neuen Produkten. Die Transformation ist Teil des Werts — Design als Handwerk.
Typische Waren: Palettenmöbel, Textil-Upcycling, Kunstobjekte aus Abfall
Soziale Unternehmen & NGOs
Nutzen Kreislaufprozesse als Beschäftigungsmodell oder Finanzierungsquelle für den sozialen Auftrag. Spendenquittungen und Impact-Nachweis sind essenziell.
Typische Waren: Beschäftigungsprogramme, Integrationsbetriebe, Hilfswerke
Take-Back-Programme
Hersteller oder Händler nehmen Produkte am Ende des Lebenszyklus zurück — zur Wiederaufbereitung, Weitergabe oder Recycling.
Typische Waren: Elektronikhersteller, Modeketten, Möbelhändler
Die Geschäftsmodelle
Nicht alle Kreislaufbetriebe funktionieren gleich. Die Unterschiede im Geschäftsmodell bestimmen, welche Software-Anforderungen entstehen.
Spende → Aufbereitung → Verkauf
Brockenhäuser, NGOs, Kleidersammlungen
Das klassische Brockenhaus-Modell. Waren kommen kostenlos rein (Spende), werden aufbereitet und zum Sozialtarif verkauft. Herausforderung: Kosten entstehen ausschliesslich durch Aufbereitung.
Buchhaltungslogik
Null-Einkaufspreis, Reparatur-/Reinigungskosten als Kostenbasis
Einkauf → Refurbishing → Weiterverkauf
IT-Refurbisher, Vintage-Shops, Fahrrad-Ateliers
Güter werden günstig eingekauft (von Unternehmen, Auktionen, Einzelpersonen), aufgewertet und mit Marge weiterverkauft. IT-Refurbisher und Vintage-Shops.
Buchhaltungslogik
Einkaufspreis + Reparaturkosten = Kostenbasis. Marge pro Einheit kritisch.
Reparatur-als-Service
Repair Cafés (Werkstattteil), Veloläden, Elektriker
Der Kunde bringt ein defektes Gerät — der Betrieb repariert gegen Entgelt. Das Eigentum bleibt beim Kunden. Kostenkalkulierung pro Auftrag ist zentral.
Buchhaltungslogik
Arbeitsstunden + Ersatzteile = Rechnungsbetrag
Kommission / Konsignation
Kleiderbörsen, Second-Hand-Shops, Auktionshäuser
Privatpersonen geben Gegenstände ab — der Betrieb verkauft sie und behält eine Provision. Das Eigentum liegt bis zum Verkauf beim Einlieferer.
Buchhaltungslogik
Kein Einkauf, Erlösteilung nach Verkauf. Einlieferer-Tracking notwendig.
Upcycling & Transformation
Upcycling-Ateliers, Designstudios, Soziale Werkstätten
Materialien werden zu neuen Produkten verarbeitet. Der Wert entsteht durch Design und Handwerk — nicht durch Wiederverkauf des Originals.
Buchhaltungslogik
Material + Arbeitszeit = Kostenbasis. Produktkalkulation wie Handwerk.
Teile-Harvesting
IT-Refurbisher (Ergänzungsmodell), Fahrradläden
Defekte Geräte werden nicht repariert, sondern in Einzelteile zerlegt. Die Teile werden separat verkauft oder für andere Reparaturen genutzt.
Buchhaltungslogik
Ein Gerät → viele Teile mit je eigenem Wert. Stücklisten-Logik.
Tausch & Sharing
Bibliotheken der Dinge, Werkzeugverleihe, Swap-Events
Güter werden nicht verkauft, sondern verliehen oder getauscht. Mitgliedschafts- oder Nutzungsgebühren finanzieren den Betrieb.
Buchhaltungslogik
Gebührenmodell, kein klassischer Warenverkauf
Was die Kreislaufwirtschaft fundamental anders macht
Diese sechs Dimensionen erklären, warum Standard-ERPs strukturell scheitern — und warum eine eigene Lösung nötig ist.
Warenwert
Linearwirtschaft
Definiert durch Einkaufspreis + Marge. Gilt für alle gleichartigen Waren identisch.
Kreislaufwirtschaft
Zustandsabhängig: Zwei identische Laptops derselben Marke können CHF 40 auseinanderliegen, weil einer Kratzer hat und der andere nicht.
Artikelverfolgung
Linearwirtschaft
«100 ThinkPad T14 auf Lager». SKU + Menge reichen.
Kreislaufwirtschaft
Jedes Gerät ist ein Individuum mit eigener ID, Zustand, Geschichte, Reparaturkosten und Verkaufspreis.
Kosten
Linearwirtschaft
Bekannt bei Wareneingang. Unveränderlich. Kostenbasis = Einkaufspreis.
Kreislaufwirtschaft
Akkumulieren über Zeit: Intake-Preis (oder 0 bei Spende) + Reparatur 1 + Reparatur 2 + … = Kostenbasis.
Warenherkunft
Linearwirtschaft
Lieferant mit Rechnung. Eine Quelle, ein Prozess.
Kreislaufwirtschaft
Spende (→ Quittung), Kauf (→ Lieferantenrechnung), Rücknahme (→ Gutschrift), Kommission (→ Erlösteilung) — vier völlig verschiedene Buchhaltungsvorgänge.
Preisgestaltung
Linearwirtschaft
Regelbasiert: Einkaufspreis × Faktor = Verkaufspreis. Einheitlich und skalierbar.
Kreislaufwirtschaft
Einzelfallentscheidung: Zustand × Nachfrage × Sozialfaktor. Zwei gleiche Artikel, zwei verschiedene Preise.
Impact
Linearwirtschaft
Nicht relevant. Software trackt Geld, nicht Wirkung.
Kreislaufwirtschaft
Kern-KPI: Wie viele Geräte gerettet? Wie viel CO₂ vermieden? Für Förderanträge, Jahresberichte und Kundenkommunikation essenziell.
Nächste Frage
Warum braucht die Kreislaufwirtschaft ein eigenes ERP?
8 Dimensionen, in denen Standard-Software strukturell scheitert — und wie Kivvi antwortet.
In der Praxis
Wie funktioniert Kivvi im Alltag?
Die drei Phasen — Intake, Bewertung & Reparatur, Verkauf & Impact — im Detail.