Das Brockenhaus: Secondhand im grossen Massstab
Täglich kommen Dutzende Säcke und Möbelstücke rein — Kleider, Geschirr, Bücher, Elektro. Gleichzeitig laufen Verkauf, Spendenverwaltung und oft ein Sozialeinsatz im gleichen Betrieb. Das Brockenhaus ist Logistik, Sozialarbeit und Detailhandel in einem.
Was ist ein Brockenhaus?
Ein Brockenhaus — in Deutschland «Secondhand-Laden» oder «Charity-Shop» — nimmt gespendete Waren entgegen und verkauft sie zu günstigen Preisen weiter. Kleider, Möbel, Geschirr, Bücher, Elektrogeräte, Spielzeug: die Bandbreite ist riesig. In der Schweiz betreiben grosse Hilfswerke Brockenhäuser als Teil ihrer Sozialarbeit: Caritas, Heilsarmee, Emmaus, Rotes Kreuz, Schweizerische Arbeitshilfe. Daneben gibt es hunderte kleinerer, lokal betriebener Läden von Vereinen, Kirchgemeinden und Privatpersonen.
Das Besondere am Brockenhaus: Es ist kein normaler Detailhandel. Die Ware kommt nicht von einem Lieferanten, sondern von anonymen Spendern. Es gibt keine Einkaufspreisliste. Der Wert jedes Stücks muss vor Ort geschätzt werden. Und gleichzeitig laufen oft Sozialeinsätze im gleichen Betrieb — Menschen in Beschäftigungsprogrammen arbeiten im Laden.
Wer arbeitet dort?
Geschäftsleitung / Filialleitung — 1–2 Personen, bezahlt
Betrieb führen, Team koordinieren, Finanzen, Kontakt zu Mutterorganisation, Spendenkampagnen, Jahresbericht.
Festangestellte Mitarbeitende — 2–6 Personen
Warenannahme, Sortierung, Preisgebung, Kasse, Lager, Regalbetreuung.
Beschäftigte im Sozialeinsatz — Variabel, oft 5–15
Sortierung, Reinigung, einfache Arbeiten — Reintegration in den Arbeitsmarkt als Ziel.
Freiwillige — Variabel, nach Bedarf
Warenannahme, Sortierung, Kasse — oft ohne tiefes Systemwissen.
Der Weg einer Spende durch den Betrieb
- Annahme — Spendende bringen Waren — oft ohne Voranmeldung. Mitarbeitende entscheiden sofort: annehmen oder ablehnen. Kaputtes, Verschmutztes, nicht Verkäufliches kommt nicht rein.
- Sortierung — Ware wird nach Kategorie sortiert: Kleider → Kategorie + Grösse + Zustand. Möbel → Funktionsprüfung. Elektro → Sicherheitstest (CE-Zeichen, Kabelzustand).
- Preisgebung — Preis wird mit Aufkleber direkt auf die Ware geschrieben. Meist nach Erfahrung und Bauchgefühl — kaum systematisch.
- Auslage — Ware wird in den Laden gestellt. Kleider auf Stangen, Möbel auf der Fläche, Bücher im Regal. Keine digitale Erfassung in den meisten Betrieben.
- Verkauf — Kasse erfasst Betrag, aber oft ohne Artikelbezug. Was verkauft wurde, ist schwer nachzuvollziehen.
- Räumung — Nicht verkaufte Ware nach X Wochen: weitere Rabattierung, Weitergabe an andere Läden oder Entsorgung.
Das Geschäftsmodell
Einnahmen kommen fast vollständig aus dem Warenverkauf. Grosse Brockenhäuser der Hilfswerke erzielen CHF 500'000 bis mehrere Millionen Franken Jahresumsatz — und überweisen den Gewinn an die Mutterorganisation für Sozialarbeit. Kleinere Vereinsläden kommen mit CHF 30'000–150'000 aus und finanzieren damit lokale Projekte.
Ein Brockenhaus ist wirtschaftlich gesund, wenn die Kosten (Miete, Personal, Entsorgung) durch die Einnahmen gedeckt werden. Anders als Detailhandel gibt es keinen Einkaufspreis — aber Entsorgungskosten für nicht verkäufliche Ware können erheblich sein.
Wo Standardsoftware scheitert
Die meisten Brockenhäuser arbeiten ohne ERP. An der Kasse steht ein einfaches Kassensystem oder eine Schublade. Was täglich verkauft wird, ist bekannt. Was reinkam, was noch im Lager liegt, welche Kategorien sich gut verkaufen — unbekannt.
- Kein Lieferant, kein Einkaufspreis: Standard-ERP setzt Lieferanten und Einkaufspreise voraus. Spenden passen nicht ins Schema.
- Hoher Volumen, tiefer Einzelwert: Hunderte Artikel täglich zu CHF 1–30 einzeln zu erfassen ist nicht realistisch. Braucht Batch-Erfassung nach Kategorie.
- Freiwillige als Hauptkraft: Die Software muss ohne Schulung bedienbar sein. Komplexe Menüs kosten Lehrstunden, die niemand hat.
- Impact-Nachweis für Jahresbericht: «Wie viele kg Kleider haben wir umgeleitet?» — diese Fragen kommen jedes Jahr, werden aber nirgends automatisch erfasst.
Was Kivvi für Brockenhäuser bedeutet
Kivvi ermöglicht kategoriebasierte Annahme mit automatischer Impact-Erfassung: jede angenommene Jacke, jeder Stuhl, jeder Drucker wird einem Gewicht und einem CO₂-Faktor zugeordnet. Der Jahresbericht entsteht auf Knopfdruck.
Für Freiwillige: ein Formular, eine KI-Unterstützung, fertig. Für die Leitung: ein Dashboard mit Umsatz nach Kategorie, Bestand, Verweildauer und Impact-Kennzahlen. Keine zweite Buchhaltung in Excel. Keine Schätzungen im Jahresbericht.
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